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Der Mensch im kranken Staat

von

Gustav Adolf Pourroy

Veröffentlicht Märkische Allgemeine Zeitung 6./13.3.1992

© 1992 Gustav Adolf Pourroy    

siehe auch

  konfliktudemokratie.html               David und Goliath

 Jugend und Radikale - Woher und Wohin.html              

 

Mit dem Niedergang der DDR entsteht in unserem Volk erneut die Frage nach der Schuld - oder der Wehrlosigkeit - des einzelnen Menschen in einem Sozialsystem, das übereinstimmend als korrupt und krank bezeichnet wird. Rudolf Baro spricht von einem System organisierter Verantwortungslosigkeit. Gerhard Schürer kennzeichnet die kollektive Feigheit, Kommentatoren charakterisieren den kriminellen Staat, wenn sie über Zwangsadoptionen, Verurteilungen zur Devisenbeschaffung und den Moloch des STASI-Apparates berichten. Günter Kunert spricht in der FAZ vom Leichengift der DDR, das jetzt unser Sozialleben zu vergiften droht.

Als was müsste ein krankes Sozialsystem beschrieben werden? Welche Grundlagen sind dafür gegeben? Welche Chance hat ein Individuum in einem kranken System, den Auswirkungen der Krankheit zu entgehen? Und schliesslich besonders wichtig: hat es früher schon kranke Sozialsysteme gegeben? (Hierzu folgt alsbald der Essay Vom Massenwahn im Staat )

Wir wissen, dass Familien - obwohl jeder Einzelne darin völlig normal ist - sozial geisteskrank sein können. Unlösbare Konflikte, völliges darniederliegen jeder vernünftigen Kommunikation, unter den Teppich gekehrte Konflikte und Verlogenheit, führen zu irren Handlungen der ganzen Familie. Die Literatur hat mit Strindberg, Ipsen, Dostojewski und Tschechow dieses Phänomen sehr eingehend beschrieben.

Auch aus der Unternehmensberatung - und besonders aus dem sozialpsychologischen Bereich der Beratung - ist bekannt, dass ganze Unternehmen gleichsam geisteskrank sein können, wenn die erklärten Ziele und das tatsächliche Handeln auseinander klaffen. Mangel an geeigneter Kommunikation, an Aufrichtigkeit und an Konfliktfähigkeit lassen die Menschen mit solchen Unternehmen wie Lemminge in das Verderben rennen. Wie verhält es sich aber mit Staaten - können Staaten geisteskrank sein? Welches können die Kriterien eines geisteskranken Staates sein?

Hier liegt es allzu nahe, zunächst an den deutschen Staat in den Jahren 1933-1945 zu denken und seine Irrgänge zu beschreiben. Aber die zeitliche Nähe kann den Blick für das Phänomen der Geisteskrankeit zu sehr ablenken. Wenn es solche Krankheiten überhaupt gibt, dann müssen sie auch in früherer Geschichte erkennbar sein.

Gustave le Bon beschreibt in seiner Psychologie der Massen wie die Massen den Greueln der Inquisition folgten. Der Wahn nach reinem Glauben führte zu öffentlichen Hexenverbrennungen bis in das 19. Jahrhundert hinein. Schaudernd sah die Masse bei den Prozeduren zu und keine Hand regte sich für das Opfer. Ist der Massenwahn erst einmal ausgelöst, wächst er wie eine Lawine an. Der Homo sapiens, der weise Mensch, - wenn er zum Massenwesen reduziert wurde - ist zu den schlimmsten und auch dümmsten Handlungen fähig. Der Mensch ist eben ein Kleingruppenwesen und als solches kann er seine besten Eigenschaften in der Familie und der Gruppe entfalten. In der Sozialisation als Massenwesen ist er hochgradig verführbar und kann seine Fähigkeit zu intelligentem Handeln verlieren.

Wenn das Volk ein Idol erwählt hat - so le Bon - dann folgt es auch dem grössten Unsinn. Der Popanz wird vor dem Volk hergetragen und die Masse folgt ihm willig. Bilder von Paraden auf dem Roten Platz, auf dem Alexanderplatz in Berlin oder vom Sportpalast mit aufpeitschenden Reden von Goebbels zeigen begeisterte Menschen an den grösste Unsinn glaubend, ihren Verderbern zuwinkend. Welche Chance hat der Einzelne, diesen Liturgien des Wahnsinns zu entgehen? Nur sehr kräftige Naturen bewahren sich einen wachen Sinn für das Reale und diese waren es ja, die schliesslich die DDR mit der Bürgerrechtsbewegung und dem Forum 90 umkippten.

Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON

Wenn das so ist, hat der neue Staat alles zu tun, das Prinzip der christlichen Vergebung nicht nur im Mund zu führen, sondern in seinen Gesetzen und seiner Politik zu beherzigen. Der einzelne Bürger konnte einem so kranken Staat nicht entrinnen. Denn: Soziale Verhaltensweisen laufen auf Schienen, die vom Sozialsystem vorgegeben sind. Ausserhalb dieser Gleise können sich nur ganz wenige bewegen.

Doch das Volk beginnt zu lernen, welche Wege wirklich aus dem Chaos führen: Pfarrer Erhard Neubert, Berlin, hat einen Kreis von aktiven und passiven Opfern des kranken Staates DDR gebildet. Hierin spricht man sich aus, wie Vergangenheitsbewältigung zu schaffen sei. Der gleichen Linie folgt ein Forum in Leipzig. Der Bundestag hat mit der Berufung der Enquete-Kommission eine Möglichkeit gefunden, die ganze Problematik in seiner Tiefe auszuloten. Aus dem allem darf man Hoffnung schöpfen, dass das Deutsche Volk aus dieser vierten grossen Umstellung in diesem Jahrhundert gestärkt herausfindet.

Frieden Bergpredigt STASI-Akten.html

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Intrigen setzen immer einen Konflikt voraus. Mobbing ist etwas Elementares, es ist Hänseln aus Bosheit.

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