Besprechung des Buches von Hans Magnus Enzensberger in

                                                                                                                                

 

Der Mensch im kranken Staat, 3. Februar 2008

   
   

Geschichte verläuft tatsächlich chaotisch und Zufälle stören den von Geschichtsschreibern ersehnten harmonischen Ablauf. Daher ist wahrhafte Geschichtsbetrachtung immer rhapsodisch und der Autor und der Leser muss sich durch die Widersprüche des Ablaufs finden.

Man darf bei diesem Werk nie den Untertitel "Eigensinn" vergessen. Aus den Nöten der Nachkriegszeit in den zwanziger Jahren erschien Hoffnung verheischend als kraftvolle Figur ein Rattenfänger, dem das Volk willig folgte. Hammerstein in Eigensinn und Vorbehalten gefangen sprach zwar von "schiessen lassen", schoss aber nicht. Hammerstein wusste sich einig mit Kameraden, tat aber nichts. Er war kein Stauffenberg, kein Canaris, kein Witzleben, kein Treskow. Doch er sah den Abgrund klar erkennend, er sah den kranken Staat und blieb eigensinnig verhaltend. So arrangierten sich viele Generale im kranken Staat, wie Manstein, wie Guderian.

Gustav Adolf Pourroy, München