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Jugend und Radikale: Woher und Wohin ?

Plädoyer für eine neue Vision

von

Gustav Adolf Pourroy (30.8.95)

© 1995 Gustav Adolf Pourroy

(Vortrag vor Unternehmern in Brandenburg)

(Hierzu auch  Vom Massenwahn im Staat)

Die öffentliche Diskussion über die Wege zur Integration außenstehender Jugendlicher erreichte mit verschiedenen Verbrechen, die von einzelnen Gruppen unter Neonazi-Ideologien begangen wurden, einen neuen Höhepunkt.

Diese kleinen Verbände der sogenannten Neonazis sonderten sich von den ideologischen Strömungen des größten Teils der Jugend ab. Es erhebt sich dabei immer wieder die Frage, wie es dazu kam, daß offensichtlich überholte und veraltete Ideologien überhaupt diesen Teil der Jugend ergreifen konnte. Rebellierende Jugend ist in Deutschland nicht ungewöhnlich: Kotzebues Ermordung, das Hambacher Fest, die Revolution 1848 und die Stürme der Außerparlamentarischen Opposition 1968 zeigen deutlich, daß Jugend in Deutschland - Stalins Behauptung von deutscher Willfährigkeit und Angepaßtheit widersprechend - den Rasen durchaus betritt. Jugend solidarisiert sich rasch in Verbänden und solche Verbände können für oder auch gegen das herrschende Gesellschaftssystem gerichtet sein.

Die Generation der Jugend, die den Krieg miterfahren hat, hatte sich in den Jahren kurz nach dem Kriegsende in vielen Lebenskämpfen zu bewähren. Sie erlebten den Tod von Kameraden, die um ihre Jugend betrogenen Freunde, die Entwurzelung von Hoffnungen, das Hineingeworfensein in das Chaos des Untergangs.

Nach dem Krieg hatte die Jugend aber anderes zu tun als sich nach solidaren Verbänden zu sehnen. Dieser Jugend im Umbruch stellten sich ganz andere Aufgaben. Sie ging in der Familie als kleinster Einheit des Volkes auf und nahm viele Aufgaben der Gemeinschaft im Existenzkampf um das tägliche Brot und die Ausbildung wahr. In den Schulen, Werkstätten und Hörsälen saß eine Jugend, die auf die täglich neu zu bewältigende Aufgaben fixiert war. Erst geraume Zeit nach der Währungsreform erlangten Jugendverbände wieder einige Bedeutung.

In der DDR wurde früh die FDJ gegründet. Trotz aller ideologischer Schulung und dem gezwungenen Nachplappern ideologischer Parolen ist es ganz offenbar, daß die FDJ auch eine gewisse Obhut in der Gemeinschaft anbot, solidare Kameradschaft für die jungen Menschen brachte. Gewiß, die jungen Menschen waren selbst der Bevormundung überdrüssig, sie nahmen politische Schulungen nur wie Schluckimpfungen. Aber die Freiheit, die mit der Wende kam, führte auch viele in Arbeitslosigkeit, in den Verlust von Hoffnung und Perspektive, herausgerissen aus Gemeinschaften und derem Schutz.

 

Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON

 

Redaktionelle Nachbemerkung: Redaktionsschluss Ende 1994.  Der Verfasser hat durch seine Mitarbeiter insbesondere die Zustände an den Universitäten sorgfältig recherchiert. Diesen Vortrag hat der Verfasser auch der Bundesministerin Nolte übersandt. In einem unpersönlichen Referentenbrief hat Frau Nolte den Verfasser - man kann es nicht anders ausdrücken - kräftig an den Ohren ziehen lassen.

Post scriptum am 20.12.2000. Das Thema bleibt aktuell: Die  Bundesministerin Bulmahn hat gegen heftige Widerstände im Jahr 2000 eine Runderneuerung des Programms BAFÖG durchgesetzt. Das ist ein grosser Fortschritt. 

Die Bundesregierung und die Regierungen der Länder haben aber für die gewalttätigen Ausfälle der Neonazis gegen Fremde - besonders in den Neuen Bundesländern - immer noch kein langfristig wirksames Konzept. Die Mahnungen von Experten wie Prof. Heitmeyer, Bielefeld, und Dr. Maaß, Halle, Gewaltbereitschaft von Jugendlichen angemessener  anzugehen, verhallen im Stimmengewirr.

 

Post sciptum am 22.2.2001

 

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Die Bundesregierung hat endlich erkannt, dass man mit den Radikalen - oder wenigstens den Gutwilligen von ihnen - ins Gespräch kommen muss. Schrittmacher ist hier Bundesminister Schily.

 

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Bei Sandra Maischberger erschien Herr Bernd Bachmann, Diplom-Kriminologe, und führte seine private Iniative vor, wie er mit der rechten Gewaltszene fertig werden will.

 

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Damit sind nun endlich Anfänge gemacht, wie man hier besser vorankommen kann als mit Strafandrohungen.

 

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