Angela Merkel als Positions-Spieler in schwerer See

Man darf nie zur Kanzlerschaft der Angela Merkel die Szene in der TV-Konfrontation von 2005 mit Gerhard Schröder vergessen: Sie beanspruchte als Vorsitzende der grösseren Fraktion die Kanzlerschaft und Gerhard Schröder nahm ihr das nicht ab. Dabei war die Miene von Angela Merkel abweisend, ohne erkennbare Erregung: Man konnte im Gesicht NICHTS erkennen. Diese Szene ist unvergesslich und zeigt die ganze Merkel. Sie spielt das Schach der Politik als Positions-Spielerin. Für die Nicht-Schachspieler der FAZ: Ein Positions-Spieler wartet ab, ob der Gegner eine Blösse bietet, beschränkt sich auf das Verteidigen und greift Schwächen des Gegners an. Wohlgemerkt, der Positions-Spieler macht es meist so, aber MANCHES MAL geht er zum Angriff über, so auch Merkel. In der schweren See der Welt-Krise kann der Positions-Spieler kaum gewinnen. Fehler häuft sich auf Fehler: Mit Merz überworfen, einen nicht-Auto-Mann zum Opel-Berater gemacht, Guttenberg mit Druck auf die US-Regierung in seiner Opel-Reise NICHT unterstützt, in Abhängigkeit von Steinbrück seine Sprüche aufsagend.  Die Gedenkstätten-Sache war da noch harmlos. Darf man die Mahnung an Luther vor Worms variieren: "Merkel, Merkel, Du gehst einen schweren Gang" !?

 

Beitrag in der FAZ vom 22.3.2009