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 David und Goliath

Von der Grammatik des Kleinkrieges / Ein Nachtrag zu “Vom Kriege”              © Gustav Adolf Pourroy 2008

                                                                   Ich hoffe in diesem Buche manchen Faltenkniff in den Köpfen

                                                                   der Strategen und Staatsmänner auszubügeln und wenigstens

                                                                   überall zu zeigen, worum es sich handelt und was bei  einem

                                                                   Kriege eigentlich in Betrachtung zu ziehen ist.

                                                                  Clausewitz  zu seinem Buch „Vom Kriege

Vorbemerkung                                                                                                   Fassung in Englisch

 Kriegführung durch Terror ist im 21. Jahrhundert die vorwiegende Form der gewalttätigen Konflikte geworden. Das läuft zwar in der Art zahlreicher Kleinkriege ab, stellt sich aber in seiner Gesamtheit als ein einziger großer Krieg des Islam gegen die westliche Welt dar. Die Auffassung des amerikanischen Präsidenten mit einem „War on Terror“ gegen die Vielzahl von Terror-Akten vorzugehen, zeigt keinen Erfolg. Es ist bloße Verteidigung. So weist auch Francis Yukuhama, in der Süddeutschen Zeitung vom 19.8.06 auf die begrenzten Erfolgsaussichten solcher Politik hin.

 In Heribert Münklers Buch Der Wandel des Krieges wird zum Terrorismus ausgeführt, dass man drei Verteidigungslinien aufbauen kann, aber nicht einmal die in dem Buch beschriebene dritte Linie kann Frieden ermöglichen. Hier ist auf Clausewitz zu verweisen, der das das Primat der Politik in der Kriegführung betont hat. Weder die beharrlich auf offensive Verteidigung ausgelegte Kriegführung des „War on Terror“- Konzeptes führt wegen der starren Haltung des Westens zu einem Ausgleich, noch kann die unbestimmte Forderung der islamischen Gruppen im Dschihad, dem heiligen Krieg, einen fassbaren Ansatz für Verhandlungen zeigen.

Der von Münkler und anderen geprägte Begriff asymmetrische Kriege findet seine Entsprechung mit Quasi-Krieg in Samuel P. Huntingtons Buch Kampf der Kulturen.

 Das Wachstum der Weltbevölkerung in 190 Staaten mit etwa 1000 Völkern erzeugt weiter wachsende Konflikte, worin die militärische Stärke der Goliath-Staaten die Davids der Welt herausfordert, mit den Strategemen des Kleinkrieges zu siegen.

Zur Geschichte des Kleinkrieges (Auszug)

 

Akteur

Taten

Schicksal

 Spartacus ca 73 b.C.

 Aufstand der Sklaven

 Aufstand von Crassus niedergeworfen, gekreuzigt

Vercingetorix 50 b.C.

Führer der Gallier gegen Cäsar, unterwarf sich,

erwürgt im röm. Karzer nach Triumph-Zug

Robin Hood

sagenhafter Kleinkrieger gegen den Sherriff von Nottingham, brit. Nationalheld aus der Zeit Richard Löwenherz

Heute Idol der Aufsässigen im englischen Sprachraum 

Thomas Müntzer

Führer des Bauernaufstandes um 1500

Geköpft 1525

Wilhelm Tell

Schweizer Sagen-Held Kampf gegen Obrigkeit. ca.1300

Heute Idol der Schweiz

Andreas Hofer

Guerilla gegen Franzosen, Bayern

erschossen in Mantua 1810

Sitting Bull

Führer der Sioux gegen die Weissen

Starb 1890 nach Übergabe friedlich in seinem Lager Nord-Dakota

Geronimo

Führer der Apachen gegen die Weissen,

starb im Exil Fort Sill, Oklahoma, Grab ausgeraubt

Sir Roger Casement

irischer Widerstand gegen Briten, Unterstützer Deutschlands

1917 gehängt

Menahim Begin

Teilnahme an Attentat gegen Hotel David

Israel PM,

Ithzak Rabin

war Führer der Gefangenen im (brit) Rafah-Lager

 PM Israel, Motor des Ausgleichs mit den Palästinensern,

ermordet

Yitzhak Shamir

Terrorist

 

Zuerst gefangen in Eritrea, dann

PM Israel

Chin Peng und andere

War of Running Dogs -“Emergency” in Malaya bis 1960

Gründung von Malaysia und Singapore, kein eigener Erfolg

Ho Tschi Minh

Führte Viet-Cong gegen Franzosen, dann Amerikaner zum Sieg

liegt in einem Mausoleum als Nationalheld

Fidel Castro

Führte geschickt Guerilla gegen Battista, Diktator Cubas

Diktator in Cuba

Ben Gurion

fast gewaltloser Rebell gegen die Briten, Führer des Unabhängigkeitskampfes

Vater Israels,

Staatspräsident Israel

Nelson Mandela

Führer des Widerstandes der Schwarzen in RSA

nach 25 Jahren im Gefängnis Staatspräsident von RSA

Josef Stalin

als Gegner des Zaren-Regimes verbannt in Sibirien

Diktator der Sowjet-Union

Mao Tse Tung

Aufstandsführer gegen die Kuo-Minh-Tang

Diktator Chinas

Che Guevara

Mitstreiter Castros

getötet im Guerilla-Krieg in Bolivien

Osama bin Laden

Organisator des Dschihad gegen USA und westl. Welt

 

Getötet am 1.Mai 2011 in Pakistan

 

Yasser Arafat

Organisator der PLO

Präsident Palästina

Ahmed Sukarno

Befreiung von Kolonialmacht Niederlande

1. Präsident Indonesiens

RAF

Stadtguerilla

alle verurteilt

Brigate Rosso

Stadtguerilla

alle verurteilt

FLN

Befreiung Algeriens von französischer Dominanz

Algerien ist frei

PLO/HAMAS etc.

Kampf gegen Dominanz Israels

Andauernder, schwärender Konflikt

IRA

Kampf gegen britische Dominanz in Nordirland

Versuch eines Modus Vivendi

ETA

Kampf der Basken gegen spanische Dominanz

Batasuma-Partei verboten – blutiger Terror –

Waffen-Stillstand 24.3.2006

 

Die Strategeme des Kleinkrieges

Im Kleinkrieg ist der Schwächere der Angreifer. Der Guerillero wendet die Elemente Überraschung, List und Kühnheit an, um die Stärke des großen Gegners zu überwinden. Der Kleinkrieg mit solchen Strategemen ist der Krieg des Schwächeren gegen den Stärkeren. Es ist der Kampf David gegen Goliath (1. Samuel, 16. u. 17 Kap.). Alle seinerzeit bekannten Strategeme des Kleinkrieges hat Clausewitz ausführlich behandelt. Clausewitz hat aber den Kleinkrieg selbst nur wenig beschrieben (17.Kapitel „Über den Charakter der heutigen Kriege“ Insurrektionsmittel). Clausewitz führte über das neue Strategem der letzten Zeit, dem des Terrors, nichts aus.

 Alle Arten des Krieges, ob Groß-Krieg, totaler Krieg, Atom-Krieg, kalter Krieg und Kleinkrieg unterliegen logischen, grammatischen Zusammenhängen zwischen Politik und Kriegführung, die Clausewitz erstmalig beschrieb.

 Die nicht vollständige Aufzählung über einige führende Akteure von „Kleinkriegen“ zeigt, dass aus manchen Kleinkriegen große Staaten entstanden sind. In der vielfältigen Form der Kleinkriege wollen Unterdrückte eine übergeordnete, größere Macht abwerfen.

 Der in der Regel versteckte David erklärt den Kleinkrieg nicht. Es kann sein, dass er die offene Konflikt-Bearbeitung versucht hatte, aber scheiterte. Die andere Möglichkeit ist, dass er es von vornherein aufgab, eine offene Konflikt-Auseinandersetzung zu führen, weil er die Stärke des Gegners hoch einschätzt und in der offenen Konflikt-Auseinandersetzung keinen Erfolg erwarten konnte (so z.B. die Palästinenser im Kampf gegen Israel).

 Wie ist der Kleinkrieg aber dann die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen Mitteln? Der regierende Staat, der Goliath, kann den Kleinkrieg nicht erklären, er wird ihm aufgezwungen. Der Staat erkennt den Konflikt-Gegner an seinen Guerilla-Aktionen, eine Kleinkriegs-Erklärung gibt es auch von der Seite der Guerilla in der Regel nicht. Der Guerilla versteckt sich, aber ein Staat kann sich nicht verstecken. Im Sinne der Haager Landkriegsordnung sind Guerilla-Kämpfer keine Kombattanten aus der leveé en masse, weil sie ihre Waffen nicht offen führen.

 

Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON

 

In der Dritten Welt besteht Frustration, weil diese Völker sich  als blosse Lieferanten von Rohstoffen benutzt sehen, obwohl sie doch wichtige Partner in der Weltwirtschaft sind. Aus der Sicht dieser Länder regeln internationale Trusts die Abläufe  der globalisierten Wirtschaft ohne wirklichen Einfluss der beteiligten Völker. Es wäre ein wirksamer Schritt zum Frieden, wenn die islamische Welt sich als fairer Partner der westlichen Welt anerkannt sehen würde und zum Beispiel die Öl-produzierenden - hauptsächlich - islamischen Staaten an Gipfeltreffen der G8-Staaten oder  ähnlichen Einrichtungen teilnehmen könnten. Solche Politik wäre ein klares Signal der wirklichen Einschätzung dieser Länder und ein Markstein zum Fortschritt in Richtung Frieden. Obamas Appell vom 4. Juni 2009 in Kairo  war ein hoffnungsvoller erster Schritt, aber die Widersprüche von leidender Bevölkerung in Afghanistan, die mit Demokratie beglückt werden soll, wirkt gegensätzlich. Nur die Engländer haben mit rabiaten Mitteln im Burenkrieg und in Malaya diesen Widerspruch bewältigt.

 Die unter dem Programm Krieg dem Terror laufenden Maßnahmen sind reine Verteidigung, sie lassen als politischen Willen nur Erhaltung des status quo erkennen. Die Grammatik des Krieges  verlangt aber einen gestalterischen Willen zur Neuordnung der politischen Beziehungen. Sonst ist alles nur Reaktion und der Guerillero David setzt den Versuch fort, dem Goliath seinen politischen Willen aufzuzwingen. Aber wenn der Wille des Davids unklar ist oder nur Träumen entspricht und zudem die Goliaths ohne moderatorische Hilfe lange starr bleiben, dann sind alle in einer no-win-Situation. Das führt zum lang anhaltenden chaotischen Unfrieden.

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