Email an einen Herausgeber der FAZ

 

Ich habe schon Herrn Schirrmacher geschrieben, dass die FAZ ein großes PLUS verdient, weil sie so besonnen und ausgewogen berichtet und kommentiert hat.

 Jenseits von den Fragen, die Sarrazin aufwirft, kommt mir das Integrations-Vorhaben zunehmend abstrus vor. Die Türken kommen aus einem sehr starken Sozialsystem, das sich nicht leicht mit unserem mischt oder gar assimiliert. Natürlich sind auch unsere Italiener, Spanier aus einem starken System, aber sie sind in Deutschland „unterkritisch“ vertreten, wenn Sie mir einen Ausdruck aus der Kernphysik zulassen.

 Drei Millionen Türken aber sind „überkritisch“ und bleiben in sich ein Sozialsystem besonderer Stärke. Stark unterstützt durch Erdogan in seiner Kölner Rede.

 Ich habe viel in fremden Ländern gelebt. In Singapore kommt die Regierung bestimmt nicht auf den Gedanken die ca. 5% Inder integrieren zu wollen, das würde nicht funktionieren, Konflikte über Konflikte. Aber sprechen die Inder dort ein einwandfreies ENGLISCH, die Aufstiegssprache, dann werden sie zwar von der Chinesischen Leitkultur etwas dominiert, aber Ihr Korrespondent dort kann Ihnen bestätigen, dass alles ganz gut läuft – ohne Integration.

 Käme die Schweizer Regierung auf Integrations-Gedanken in der Schweiz - dieser Gedanke wäre absurd.

 Diese Problemlage über die Integration eines starken Sozialsystems muss noch weiter betrachtet werden. Wir haben 190 Staaten in der Welt und über 1000 Ethnien.

 Ich bin schon über 300 Jahre in Deutschland. Nach Deutschland kommend habe ich die Lingua franca des 17./18. Jahrhunderts - französisch – perfekt beherrscht. Bis ins Ende des 19 . Jahrhunderts wurde in den Hugenotten-Familien zu Hause vorwiegend französisch gesprochen. Das hat sich erst 1914-1918 gelegt.

 Wenn also die Integrationsmühen der in Canada reisenden Integrations-Beauftragten des Bundeskanzleramtes wirklich nützen soll, dann muss es beim Kleinkindergarten anfangen. Meine kleine Tochter hat im Singapore-Kindergarten ein hervorragendes Englisch gelernt, ganz rein ohne jeden Akzent.

 Die 200-Worte-Prüfung bei der Bürger-Aufnahme ist Unsinn. Hier muss man ansetzen. Es muss klar werden, dass die Aufstiegs-Sprache Deutsch ist. Der Staat muss diese Chance jedem bieten.

 Noch ein abschließender Gedanke zu Sarrazin: Er hat nicht verstanden, dass es das wesentliche für ein Volk ist ein intelligentes Sozialsystem zu haben, das heißt aber nicht dass das Integral aller IQs Intelligenz ds Sozialsystems wäre. Als Unternehmensberater im Konsens-Management habe ich gelernt, dass die Intelligenz eines Sozialsystems von der Kommunikations-Kultur abhängt. Wir haben in Deutschland Analphabetismus in der Kunst der Kommunikation zu beklagen Siehe Stuttgart 21, siehe Garmisch Olympia, siehe Sarrazins Denkvorlage zerrissen von so begabten Leuten wie Beckmann und Plasberg, aber Gottlob nicht von der FAZ

 Mit freundlichen Grüßen und besten Erfolgswünschen

 Ihr

 Gustav Adolf Pourroy