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Konflikt und Demokratie

 

Das Prinzip Intrige in der Politik

 

" ......mit brennender Scham...."

Bischof Wilckens 1987 in Lübeck

 

© 1986 Gustav Adolf Pourroy

veröffentlicht im Essay-Band Das Prinzip Intrige

(ursprünglich im Jahr 1987ein Memorandum für Parlamentarier des Bundestages)

siehe auch intrigue.html  und minefieldintrigue.htm ;  

siehe auch den Essay ..denn sie wissen nicht was sie tun -Vom Massenwahn im Staat -

Bundestagspräsident Philipp Jenninger hat in seiner Antrittsrede vom 18. 12. 1987 die Mitglieder des neuen Bundestages ermahnt: "Kein Abgeordneter ist von seinen Wählern beauftragt, seinen politischen Gegner zu diffamieren..." und er hat die Abgeordneten aufgefordert, keinen geistigen Bürgerkrieg zu führen.

 

Das Parlament als eine Konfliktbearbeitungs-Maschine

 

Parlamentariern, als mit der Konfliktbearbeitung Beauftragte des Volkes, stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung. Die offiziell zulässigen Mittel zur Konfliktbewältigung von der freien Aussprache bis zur Diplomatie sind bekannt. Philipp Jenningers Mahnung zielte aber auf die inoffiziellen Wege, auf die Diffamierung, den einfachsten Trick der Intrige. Daraus ergeben sich Fragen: Welches sind die Unterschiede der Konfliktbearbeitung in Politik und Wirtschaft? Müssen Politiker im Machtkampf um das Primat ihrer Ziele skrupelloser sein? Wir wissen, sie sind es. Warum aber? Wir müssen fragen, nutzt das ihren Zielen und unserem Gemeinwesen? Kann man eine graduelle Verbesserung erreichen? In der Tat bestand Grund zu dem Appell von Philipp Jenninger, denn die Öffentlichkeit hat den Grabenkämpfen in der "Konfliktbearbeitungsmaschine Bundestag" mit wachsendem Unwillen zugeschaut. Da wird Schuld hochgespielt und als Blöße zum "Achillesschuß" ausgenutzt, da werden Tonbänder von Telefongesprächen mit kompromittierendem Inhalt den Medien zugeleitet, damit solche "Billardstöße" den politischen Gegner treffen, und es werden Komplotte geschmiedet, um regelrechte Treibjagden auf unliebsame Abgeordnete – meistens Unruhestifter und Querköpfe – zu veranstalten.

Parlamente, die rasche Fortschritte erzielen wollen, müßten schneller einen hohen Grad an Konsens bewirken und damit die Intelligenz der Gemeinschaft als Ganzes – die "soziale Intelligenz" – fördern. Diejenigen Gesellschaftssysteme, die die Grammatik der Konfliktbearbeitung am besten beherrschen, werden in diesem Kampf im Vorteil sein. Unternehmen versuchten früher, mit soliden Machtmitteln ihre Konflikte zu lösen. Man achtet aber heute mehr und mehr auf Akzeptanz, und Machtmaßnahmen werden geschickter verkauft. Große Wirtschaftssysteme können ohne solide Konfliktbearbeitungs-Mechanismen regelrecht lahmgelegt werden. Daher pflegt modernes Management Konsens mit besonderer Sorgfalt.

Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON

Nicht nur in Deutschland herrscht das Prinzip Intrige

Aber nicht nur in Deutschland, sondern überall in der Welt ist der "soziale Stoffwechsel" im Kampf der politischen Gegensätze von Ränken durchsetzt: Es ist ein allgegenwärtiges Prinzip.

Die Vielfalt der Kabalen im Weißen Haus ist besonders durch die Dreiteilung der Macht in den auswärtigen Beziehungen (Außenminister – Sicherheitsberater – Stabschef) entstanden: Mehrere Sicherheitsberater, Außenminister und Stabschefs sind regelrecht darin verschlissen worden; nur Kissinger erwies sich immer als Meister in diesem Dreiecksverhältnis. Das Drama des Niedergangs von US-Außenminister Alexander Haig Ende 1981, von Sicherheitsberater McFarlane und Watergate/"IRANGATE" kennzeichnet diese Situation. Es ist kein Wunder, daß in einem Dampfkochtopf wie dem Weißen Haus die Konfliktstoffe die Menschen so in Gegensätze geraten läßt und sie den Kampf miteinander auch aus der Deckung heraus führen müssen. Die Ausnutzung einer eher privaten Sex-Affäre von Bill Clinton wird zum Achilles-Schuss genutzt, um den erfolgreichen Präsidenten der "anderen" Partei zu schwächen.

Was aus diesen Affären – und aus den Affären im Weißen Haus und im britischen Kabinett (Thatcher/Heseltine), den Kampf des jüdischen Weltkongresses und der SPÖ gegen Waldheim (letzteres gerichtlich belegt) – erhellt, ist der rigorose Einsatz der Intrige als Hebel gegen den politischen Gegner. So schnell man hieraus den Eindruck gewinnen kann, daß Politik und Intrige im Grunde genommen synonym zu sein scheint, so muß doch betont werden, daß es einige wenige, graduelle Verbesserungsmöglichkeiten gibt, den sozialen Stoffwechsel zu entgiften. Gerade beim regelmässigen Bonner "Sommertheater" hätten "Spielregeln im Konflikt", hätte eine "Grammatik der Konfliktbearbeitung" genützt.

 

Konflikt und Glasnost

Wie die Einführung einer Regel der Konfliktbearbeitung – Offenheit – die Kämpfe entgiftet, kann man vielleicht bald in der UdSSR beobachten. Michael Voslensky hat in "Nomenklatura" der dort herrschenden Klasse besonders intrigantes Verhalten angekreidet. Das stets verlangte "öffentliche Wohlverhalten" vereitele im Grunde offene Konfliktauseinandersetzungen und öffne Kabalen und Komplotten Tür und Tor. Mit "Glasnost" kann die sowjetische Gesellschaft ein Stück vom "Prinzip Intrige" abrücken und offenere Konfliktwerkzeuge einsetzen. Daß die Akzeptanz der Entscheidungen im Westen eine Stärke ist, scheint gewiß. Die vielen Beispiele zeigen die gleichen Gesetzmäßigkeiten eines Wirkungsprinzips in der aktuellen Politik:

bulletEin Übermaß an Konfliktstoffen als Nährboden für den Pilz der Intrigen – das sieht man besonders in Österreich, wo die Konfliktstoffe im Proporzkampf unter dem Teppich bleiben müssen und dann doch irgendwie nach oben dringen, sowie im Weißen Haus, das sicher eine regelrechte Konfliktüberflutung zu bewältigen hat;

 

bulletZwang zum äußerlichen Wohlverhalten bei ansteigendem Druck der Konflikte und eingeschränkter Konfliktbearbeitungskapazität, hier darf "Nomenklatura" angeführt werden, die von der Wunderwaffe "Glasnost" erst noch besiegt werden muß;

 

bulletum das eigene Risiko zu mindern, Kampfenergie einzusparen, aber auch die angestauten Konflikte zu lösen, Machtverstärkung durch Hebel: Kampf aus der Deckung heraus durch Achillesschuß, Billardstoß und Komplott;

 

bulletein ständiger Versuch, die Konfliktstoffe ängstlich zu verdecken oder wenigstens durch Euphemismen notdürftig zu übertünchen, um Angriffsflächen einzuschränken, denn man weiß, daß die Gegner auf Blößen lauern. Es mangelt zumeist an Mut zur Vorwärtsstrategie, ja, man schämt sich der Konflikte, statt sie als Herausforderung zum Fortschritt darzustellen. Mangels vernünftiger Spielregeln erscheinen die Konflikte als "Streit" oder als "Gezänk".

 

Intrigen in der Politik und Publikum

Das breite Publikum ist der empörte Zuschauer der Affären; der Empörung ist ein wenig Heuchelei, Schadenfreude, Neugierde, Sensationsgier und Gerüchteküche beigemischt. Wie sollte auch sonst das gleiche Publikum so viel Freude an den Ränkespielen in den "soap operas" haben? Das kommt auch daher, daß wir zwar in diesen Spielen eigene Verhaltensmuster erkennen, sie aber nicht auf uns beziehen müssen. Intrigen gibt es offiziell nicht. Dem Wort "Intrige" haftet ein Odium an, man spricht es mit einem gewissen Schaudern aus. Das Wort ist tabu. Wir stehen vor einer semantischen Allergie. Das ist die natürliche Neigung des Menschen, Häßliches mit einem Vorhang zu verdecken.

Das Prinzip Intrige ist in den Menschen gleichsam "eingebaut". Es mit Appellen "ausräumen" zu wollen, hieße an den Teufel zu appellieren. Der Trick des tapferen Schneiderleins, die Riesen aufeinander zu hetzen, Desdemonas Taschentuch von Jago listenreich plaziert, um Othellos Eifersucht zu erregen, Voltaires Satiren, um seine Widersacher ins Lächerliche zu ziehen: Das alles sind unsere Parabeln einer Wirklichkeit des sozialen Lebens. Es ist ein Übel, das in unserem Leben eine bestimmte Funktion einnimmt und im sozialen Stoffwechsel der Konfliktbewältigung immer wirken wird.

Die Chancen zu einer graduellen Bereinigung der Konfliktbearbeitung im politischen Leben wachsen, wenn z. B. der Katharsis nach dem Niedergang von Uwe Barschel und anderer negativer Helden der wirkliche Wille zur Verbesserung der Konfliktwerkzeuge folgte.

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Im Minenfeld von Intrigen

In the Minefield of Intrigue

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Intrigen sind ein soziales und alltägliches Übel - wie man sich dagegen wappnet.

How to get along with Schemers, Plotters, Intriguers.

English Version in short: The Principle of Intrigue

Intrigen setzen immer einen Konflikt voraus. Mobbing ist etwas Elementares, es ist Hänseln aus Bosheit.

Klassisches Symbol für Intrige: intrigue.jpg

intrigue   minefield-intrigue    konfliktudemokratie  

Manche schlafen ruhig. bigsleep.gif

Der Philosoph Michel Montaigne gibt folgenden Rat:

montneu.gif (4328 Byte)

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