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Vom Massenwahn im Staat 

Ein Essay

- Zur Verblendung des Menschen in Sozialsystemen -

von

Gustav Adolf Pourroy

 

Der Mensch im kranken Staat         Jugend und Radikale - Woher und Wohin

Intelligenz_und_Unternehmen         Intelligence and Social Bodies      David und Goliath

Vom Massenwahn im Staat (Kurzfassung) aus den Vorträgen

©  Gustav Adolf Pourroy   2001

Vortrag an der Universität Passau (in Auszügen) am 5.2.2001

Vortrag vor dem Potsdamer Kreis für Kultur, Wirtschaft und Politik (in Auszügen) am 5.4.2002

 

 

Eine Übersetzung in das Englische wird vorbereitet und folgt bald.

 

Einleitung  zum  Hintergrund des Essays (nur zur redaktionellen Einführung)

Vor dem Hintergrund der Leipziger Rede von Roman Herzog (23.6.98) und der Diskussion über die Rede von Martin Walser in der Paulskirche erhebt sich erneut die Frage, wie der offensichtliche Massenwahn im Staate am Beispiel der DDR und des Dritten Reiches zu erklären ist. Und ein Blick nach Rumänien, nach Irland, den Irak, Nordkorea und in den Kosovo zeigt neue Aktualität.

Nach der Goldhagen-Diskussion flackern immer wieder neue Bekundungen der einen oder anderen Auffassung auf. Es fehlt aber noch ein wirklich durchgreifender Ansatz, wie solche Geschichte zu erklären sei.  Wichtig ist auch eine neue, überall spürbare Bewertung von schuldhafter Verstrickung unserer Mitmenschen in die Fährnisse der politischen Abläufe. Ein Volk von lauter Stauffenbergs  ist nicht vorstellbar. Wie sollen wir Versöhnung mit dem Jüdischen Volk immer weiter erstreben, aber nicht einmal in unserem eigenen Volk Frieden und den Blick nach vorn finden können. Zur Frage der inneren Versöhnung und der fortwährenden Stimulation des Waschzwanges im Deutschen Volk siehe Petition.

Ich habe mit den hauptsächlichen Diskussionsteilnehmern bei den Auseinandersetzungen mit Goldhagen  einen Schriftwechsel geführt und Zustimmung zu dem heute vorgelegten Ansatz erfahren. Insbesondere danke ich Prof. Eibl-Eibesfeldt für seine weiterführenden Gedanken zur Bedeutung der Infantilisierung der Massen. Herrn Prof. Stierlin gebührt Dank für seine Überlegungen zur Bedeutung der Delegation, die in seinem Buch über die Jugend Adolf Hitlers wiederzufinden ist. Meinem Freunde und Kollegen Eberhard Schnelle schulde ich Dank, weil er mich in die Teufeleien soziotechnischer Systeme einführte.

Die These, dass ein Staat wahnhaft sein könne und daher seine Handlungen nicht mit rationalen Gründen erklärbar sind, habe ich das erste mal in dem Essay "Der Mensch im kranken Staat" (MAZ 6./13.3.93) dargelegt. Da wollte ich zeigen, wie Menschen im Gefüge des kranken Staates eingefangen sind. In diesen Zwängen können sie oft weder vernünftig noch menschlich handeln.

Der Ansatz vom "kranken Staat" erklärt uns manches der Verhaltensweisen in solchen Sozialsystemen, in dem infantilisierte Menschen ihren Verderbern zujubeln und willig den größten Unsinn reden, ja, sogar zu Verbrechern werden, weil man ihnen vom Staat solche Handlungen vorgab. Ich gehe davon aus, dass soziale Intelligenz die Fähigkeit von Sozialkörpern kennzeichnet, intelligent handeln zu können. Ist diese soziale Intelligenz durch empfindliche - zumeist kommunikative - Mängel gelähmt oder gestört, entstehen Phänomene von Dummheit und Krankheit mit erheblichen mentalen und kommunikativen Defiziten. Die Kontrolle wird gelähmt.

Ich möchte zeigen, worin ich den Wahn in Staaten sehe und welche Mechanismen dazu führen, dass Sozialsysteme wie geisteskrank werden. (Grundlage auch bei Niklas Luhmann, Bielefeld, der Sozialsysteme mit der Bemerkung Nichts als Kommunikation als ein autonomes System auffasst). Jürgen Habermas und Niklas Luhmann sind die maßgebenden Entwickler solcher Erkenntnismöglichkeiten in der Soziologie Soziologische Fakultät Bielefeld

Jürgen Habermas war an der Diskussion innerhalb der soziologischen Lehren beteiligt - die Habermas-Luhmann-Debatte um die Möglichkeiten und Grenzen einer soziologischen Systemtheorie. Früchte dieser Auseinandersetzung waren u. a. zwei soziologische Standardwerke: Habermas legte 1983 seine Theorie des kommunikativen Handelns vor; Niklas Luhmann 1984 seine Untersuchung Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie. Dem zuletzt genannten Werk folge ich in dem Essay.

Sucht man nach einer Erklärung für die Geschehnisse im Dritten Reich, in der DDR, in Nordirland, in Rumänien und im Kosovo dann liegt der Ansatz vom Wahn in einem Staat nahe, wenn man bedenkt, dass einem sehr häufig kranke Familien begegnen, in denen aber jedes einzelne Mitglied geistig kerngesund ist (die Weltliteratur zeigt dieses Phänomen mit Dostojewski, Tschechow, Ipsen und Strindberg). Als Unternehmensberater auf dem Gebiet des Konsensmanagements  könnte man Bände erzählen über Unternehmen, die irgendwie krank handeln und in dem die Mitglieder wissend unwissend wie Lemminge ins Unglück rennen. Auf Armeen, Polizeiapparate, Behörden trifft das gleiche zu.

Luhmann hat betont, dass Sozialsysteme ein Eigenleben entwickeln, in dem die Kommunikation eine ausschlaggebende Rolle spielt. Meine Aussage ist: wenn die Kommunikation als kontrollierendes Regelwerk der Intelligenz eines Systems, durch ideologische Manipulation mit der Folge von Infantilisierung, gelähmt wird, kann Massenwahn entstehen. Es mag sein, dass das Individuum sich besser wehren sollte, aber wer kann schon die Verwicklung in ein Teufelssystem von vornherein durchschauen. Wer hat die Beteiligten bisher wirklich über die Wege zum Wahn im Sozialsystem aufgeklärt?

Der deutsche Begriff "Wahn“ sollte  mehr nach seinem Verbum „wähnen“ verstanden werden, also als der schwer beirrbare Glaube, das etwas sei, was in Wirklichkeit gar nicht ist.  Bei der Übersetzung in das Englische macht das deutsche Wort Wahn oder wähnen Schwierigkeiten. Mit delusion kann man es nicht genau ausdrücken, wahrscheinlich muss man Wahn umschreiben.

Quintessenz: Die Aussage des Essays relativiert Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker", lässt unter anderem die vermeintliche Schuld von Mauerschützen in einem anderen Licht erscheinen und stellt Versuche, die Menschen und das ganze Volk durch ideologische Beeinflussung gefügig zu machen als das eigentliche Übel dar: Von außen erscheint dann das Handeln eines Sozialsystems wie von einem Wahn befallen.

Die zweite Überschrift ist aus Lukas 23.34.

 

Zusammenfassung: Worauf sollte ein Volk achten, will es Massenwahn vermeiden ? 

bullet

Die Geschichte zeigt, dass gerade Usurpatoren das Kontrollsystem des Gemeinwesens durch Lähmung der Kommunikation ausschalten, um ihre Macht frei entfalten zu können. Das kollektive Gewissen lässt sich dann nicht mehr organisieren. Medien und kritische Masse sind gehemmt.

 

bulletDer Begriff Soziale Intelligenz umfasst hier die intelligente Leistungsfähigkeit eines Sozialsystems. Soziale Intelligenz entsteht nicht nur als Integral einzelner Intelligenzpotentiale, sondern im besonderen Masse auch aus den kommunikativen Fähigkeiten des Sozialsystems.

 

bulletSoziale Intelligenz organisiert das kollektive Gewissen. Mit der Sozialen Intelligenz eines Volkes entsteht das Kontrollsystem, das die Einhaltung der Normen im Sozialsystem überwacht.

    

bulletDer Mensch als Kleingruppenwesen entfaltet seine höchste soziale Intelligenz nur  in der Gruppe. Der usurpierende Machthaber bevorzugt Massenveranstaltungen, da die soziale Intelligenz in Menschenmassen eingeschränkt wird.

 

bulletEin häufig geübtes Strategem zur Ausschaltung des Kontrollsystems, ist die Infantiisierung – die Abhängigmachung – der Menschen. Das wird durch soziale Rauschmittel oder soziale Gifte in den Ideologien erreicht. Rauschmittel sind Gemeinschaftserlebnisse wie Siege, Parteitage, Filme, Bücher oder Lieder. Gifte sind zum Beispiel der Aufbau eines Gruppenfeindes (sic! Al Quaeda einfach im Irak vermuten), durch Anheizen von Rassenhass, durch Angstmachen vor Teufel , Hölle und Technik, Glaube an raffinierte Heilsbringer und die Unterhaltung von Hybris. Der Machthaber als Heilsbringer strebt im Idealfall charismatische Herrschaft an (Max Weber).

 

bulletDie Nutzung der Mechanik von Soziotechnischen Systemen (Polizei, Armee etc., also Systeme mit stark eingeschränkten dispositiven Möglichkeiten)  ist ein probates Hilfsmittel zur Durchsetzung von Entschlüssen der usurpierenden Machthaber.

 

bulletSo entstehen Fragen nach der Verantwortung des einzelnen Menschen im wahnbesessenen Sozialsystem. Seine Infantilisierung fesselt ihn. Ein Volk aus lauter Stauffenbergs ist nicht vorstellbar.

 © Gustav Adolf Pourroy 2001

Eine Übersetzung in das Englische wird vorbereitet und folgt bald.

 

Vom Massenwahn im Staat

 

..denn sie wissen nicht was sie tun

Was bedeutet Massenwahn in einem Staat?

 

Der deutsche Begriff "Wahn“ sollte hier mehr nach seinem Verbum „wähnen“ verstanden werden, also als der schwer beirrbare Glaube, das etwas sei, was in Wirklichkeit gar nicht ist. Bestimmte Ereignisse oder kommunikative Manipulationen lähmen die soziale Intelligenz eines Volkes und machen "wähnen" möglich. Das Volk wähnt dann etwas , was gar nicht der Wirklichkeit entspricht. Das Volk wird getäuscht, das kollektive Gewissen gelähmt. Ein Staat kann dann wahnhaft handeln, obwohl der weitaus überwiegende Teil aller Individuen dieses Sozialsystems geistig kerngesund ist. 

 

Gekürzt siehe Version in Der Mensch im kranken Staat bei AMAZON

 

Post scriptum nach den Ereignissen von New York und Washington vom 11.September 2001 und angesichts der Zustände in Nordkorea und im Irak:

Es ist ziemlich klar, dass die Motive der Selbstmordattentäter einen fanatischen Untergrund haben. Die Attentäter folgen dem in sie filtrierten Hass auf USA. Die Voraussetzung, dass Menschen solcher Ideologie folgen, ist jahrelange, infantilisierende "Erziehungsarbeit" von Jugend an, verkleidet als religiöse Verheischung zur Erlösung. Die Infantilisierung in Nordkorea ist evident. Im Irak wird der Hass auf den Gruppenfeind geschürt. Aber auch in USA wird es in der Kampagne gegen Irak immer klarer, dass Hass als Massenideologie gebraucht wird.

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