QUO VADIS GERMANIA 

                                                                      © Gustav Adolf Pourroy 2017                                         

Die Frage aus dieser Überschrift erhebt nicht den Anspruch hierzu vollständig konkret zu antworten. Aber man kann doch aus einigen klar erkennbaren Tatsachen einen Trend erkennen wie die abzeichnende Entwicklung weiter gehen könnte. Sicher besteht dazu Ungewissheit, aber gerade das kann die Diskussion über mögliche Steuerungsmaßnahmen begünstigen.

Der Leser möge die Einreihung dieser Betrachtung in den Obertitel des Buches Der Mensch im kranken Staat richtig sehen: Deutschland ist nicht krank. Aber auch gesunde Staaten haben oft einige Erscheinungen, an denen sie arbeiten müssen und deren negative Entfaltung den Staat gefährden können. Über drei solcher Entwicklungen soll hier gesprochen werden.

 

Von der Grammatik des Konsens-Managements

Heraklit sagt uns mit ALLES FLIESST, dass sich alles auf der Welt ständig ändert. Felsen bröckeln ab oder erwachsen aus dem Untergrund, die lebendige Natur gedeiht und stirbt, die Meere bewegen sich, Wasser verdampft und kehrt als Regen zurück. So sieht sich der Mensch auch in sozialen Umschichtungen ständig Änderungen gegenüber. Der Mensch ist ein Sozialwesen, daher muss sich sein Sozialsystem den Notwendigkeiten anpassen.

Die Willensbildung eines Sozialsystems sollte die Erfordernisse erkennen und folgerichtig entscheiden. Aus hoher Komplexität der Fakten ergeben sich Zielkonflikte. Daher muss der Mensch mit kollektiver Intelligenz gute Entscheidungen zu den Maximen finden. Das gilt für Familien, Gruppen, Unternehmen, Armeen, soziotechnische Systeme und Völker in Staaten

Der zweite Satz von Heraklit: DER KAMPF IST DER VATER ALLER DINGE kennzeichnet Widerstreit als ersten Schritt zum Fortschritt WENN fachgemäße Kommunikationsmittel bereit stehen.

Der soziale Stoffwechsel zwischen Menschen läuft dann gut, wenn Menschen-gerechte, ja, Menschen-gerechte  Kommunikationsmittel entwickelt sind, Denn der Mensch als Kleingruppen-Wesen kann seine kollektive Intelligenz – trifft er auf größere Zahl an Menschen - nur mit bewährter Hilfe entfalten:

Eine 10.000 – Mann – Konferenz auf Bali zur Entwicklung von Umwelt-Strategien mag gesellschaftlich sehr interessant sein, aber sie ist zur Ausbildung von Umwelt-Maßnahmen nicht  Menschen-gerecht. Nicht einmal besondere dramaturgische Ansätze können 10.000 widerstreitende Menschen zum Konsens führen. Daher ist auch die Konferenz von Kopenhagen in Jahr 2009 mit 16.500 Teilnehmern gescheitert.

Solche nicht-Menschen-gerechte Ansätze zeigen ANALPHABETIMUS in der Grammatik der Kommunikation für Konsens-suchende Sozialsysteme. Die hohe Komplexität von zahlreichen Interessenlagen in Verbindung mit Fakten schafft Unübersichtlichkeit und führt mangels Menschen-geeigneter Kommunikationsansätze zu gravierenden Fehlern – siehe BREXIT.

Erfahrungen zeigen, dass man bis zu 1000 Teilnehmer mit passenden Kommunikationstechniken einigen kann. Was darüber hinausgeht, scheitert zumeist an der Unzulänglichkeit des Menschen in der Masse Intelligenz entfalten zu können.

Eines der Eigenheiten des Menschen ist, dass er Tatsachen zu unterdrücken versucht, die nicht zu seinen Maximen (und seinen Vorurteilen) passen. Der Mensch hegt Hypothesen, die gleichsam vor sein Hirn geschaltet sind. Mit diesen Hypothesen selektiert er Informationen. Er untersucht zu seinen Hypothesen passende Informationen oder er wehrt sie ab.

Zur folgerichtigen Bearbeitung von Konflikten ist die richtig organisierte kollektive Intelligenz eines Sozialsystems von ausschlaggebender Bedeutung. Im Wesentlichen zeigt die Vielfalt der deutschen Medien mit Parlamenten, Talk-Shows und Presse eine gute Chance für kollektive Intelligenz. Aber in den Talk-Shows fehlt es an spontan entwickelten Visualisierungen. Die Erfahrung „Eine Zeichnung sagt mehr als tausend Worte“ könnte knappe Zeit sparen helfen. In den TV-Medien Deutschlands ist die Vergangenheit („HISTORY“ aus wohl-feilen Konserven wie Füll-Material, Hitler-History noch-und-noch) übergewichtig. Schlimmer noch Kriminal-Filme ( „TATORT“ etc.) als Füll-Material weil das der Entspannung der Werktätigen diene: Zukunftsfragen für die Jugend haben hier das Nachsehen, aber Zukunft gehört viel mehr in den Vordergrund in der Medienpräsenz.

Wenn man die Intelligenz der Europäischen Union als sich stetig aufbauendes Sozialsystem mit ihren Problemen betrachtet, so muss man beträchtliche Defizite in der folgerichtigen Behandlung von Herausforderungen feststellen. Europa kann die Notwendigkeiten der langen Lern-Phase „Was ist richtig für Europa“ in seiner großen Komplexität nur mit großer Geduld über lange Zeit erfahren. Rom ist auch nicht an einem Tag erschaffen worden. Das ist für GERMANIA eine erhebliche Frage.

 

Der Klimawandel und die Sonne

In Kopenhagen ist eine Information des Intergovernment Panel for Climate Change (=IPCC) nicht zum Tragen gekommen, ja, regelrecht unterdrückt worden. IPCC berichtete im Vorfeld über die Tatsache, dass 3 Prozent (in Worten ganze drei Prozent) des Welt- CO²–Aufkommens anthropogen – von den Aktivitäten des Menschen stammend – herrühren, aber der Rest von 97% komme von der Sonne und anderen Faktoren.

Die Wissenschaft hat die physikalischen Tatsachen eindeutig geklärt und Zeugnisse darüber sind zum Beispiel in den Veröffentlichungen der Universitäten Stuttgart und Pennsylvania klar gestellt  Aber politischer Wille zur gutwilligen Steuerung der anthropogenen Einflüsse stößt auf physikalische Wirklichkeit.

http://www3.geosc.psu.edu/~dmb53/DaveSTELLA/entrance.htm

http://www.ip.uni-stuttgart.de/links/hartmut_seyfried.pdf  

Es liegt der Schluss nahe, dass die Ursachen des tatsächlich festgestellten Klimawandels nicht an diesen  vom Menschen verursachten 3 % liegen können. Der Eifer diese 3 % zu reduzieren wird von interessierten Industrien und Meinungsträgern mit fortwährenden Warnungen auf eine drohende Klimakatastrophe unterstützt. Aus solcher Absicht leuchtet für die CO²--Skeptiker die Blässe des Gedankens, da sie von dem niedrigen Anteil der Menschheit von 3% am CO²–Aufkommen wissen.   

Daher ist es kein Wunder dass die Kontinuität des Klimawandels in der Weltgeschichte die CO²--Skeptiker in den Vordergrund treten lässt. Der US-Senat in kurzen Worten: Das Hirngespinst von diesem Klimawandel. So stoßen auch die Bemühungen der  Klima-Wandel-Warner vielfach auf Widerstände. Der Widerstreit zwischen CO²—Skeptikern und Klima-Wandel-Warnern hält an.  

In Deutschland kennt der CO² – Eifer, Einsparungen an CO² zu erzielen, keine Grenzen. Politiker und Medien blasen in das gleiche Horn. CO² – Minderung ist in aller Munde. CO² -Verbrauch sei Vergeudung. Dieser Eifer wäre nicht fatal, würde es nicht drohen, die Energie-Versorgung der deutschen Industrie durch die Einschränkung von Schwerpunkt-Kraftwerken zu beeinträchtigen, entweder durch Verteuerung oder durch schwierige Zugänglichkeit von Energie. Selbstsichere Industrie schafft sich daher eigene Kraftwerke und vertraut nicht auf das Energie-Netz. Aber der CO²-Eifer hat seine sehr guten Seiten, denn die damit erlernte Schonung der natürlichen Ressourcen kommt zweifellos der Besorgnis um die Umwelt wohltuend entgegen.  

Mit dem CO² –Handel wird gemäß Kyoto-Protokoll ein großer Markt von Verschmutzungs-Rechten aufgezogen: Ein bürokratisches Monstrum um tatsächlich in Wahrheit 3% der CO²–Produktion der Menschheit zu mindern, damit der Klimawandel so beherrscht werden kann – was jedoch mit Blick auf den hohen Anteil der Sonne an der CO²—Produktion vergeblich erscheint. Hier versucht menschlicher Eifer dem unaufhaltsamen, ständigen Klimawandel umsonst zu trotzen. Deutschland ist hier besonders emsig und geht mit der Gefährdung seiner industriellen Basis durch Kostensteigerungen einen illusorischen Weg - Illusorisch deswegen weil die gute Absicht dem Klimawandel zu begegnen vergeblich sein wird. Die ausländischen Konkurrenten der deutschen Industrie folgen der  CO²-Spar-Kampagne gelassener.

•             In der Pariser Konferenz von 2015 wird ein Vertrag zur Bewältigung des fortwährenden Klimawandels durch Reduzierung der anthropogenen Klimafaktoren beschlossen und die absehbare Erderwärmung auf 1,5 bis 2% begrenzt.

•             Allerdings unterschreiben weder Sonne noch Tektonik, die für ca. 97% der Klimafaktoren verursachend sind, solch Dokument nicht.

•             Richtig ist, dass die Menschheit es wenigstens versucht ihre Klimafaktoren in den Griff zu bekommen. Die Lehren aus Kambrium, Silur, Devon, Kreidezeit usw. die Erd-Zeitalter zeigen in Wirklichkeit auf die Aufgabe der Menschheit,

•             den Klimawandel als permanent  begreifen zu müssen.

In der deutschen Wirtschaft lösten dynamische Umweltaktivisten eine Innovationswelle für die „erneuerbaren“ Energiequellen aus, wobei die monetäre Erfolgsrechnung durch Subventionen verschönt und unermüdlich Effekte in der CO² –Einsparung veröffentlicht wurden. Hier gaben hohe Subventionen den Ausschlag im monetären Kalkül. Die völlige Umstellung auf stochastisch verfügbare Energie muss das Energienetz erst einmal lernen und sich darauf einstellen. Schwerpunkt-Kraftwerke drohen abgeschafft zu werden. Der Umwelt-schonende Mensch wird vom Homo sapiens zum „Homo suicidales“. Für die Energie-intensive deutsche Industrie ist nur stochastisch verfügbare Energie nicht brauchbar. QUO VADIS GERMANIA.

 

Vermögen und Schulden des Staates

Friedrich II von Preußen ( Friedrich der Große ) schrieb am 26. März 1777 an Voltaire über die Finanzverhältnisse von Frankreich   

 

"...Das einzige Mittel den Schuldenberg allmählich abzutragen, wäre es, die Ausgaben insgesamt zusammenzustreichen und sich von allem Überflüssigen zu trennen. Aber genau das wird niemals gelingen; denn anstatt zu sagen: Über diese Einkünfte verfüge ich, so und so viel davon kann ich ausgeben, heißt es: Soviel benötige ich, beschafft es irgendwie."   

 

Eine gewisse Ähnlichkeit dieser Aussage und Maxime mit Usancen in der Budget-Gestaltung vieler heutiger Staaten der Welt, auch des deutschen Staates, ist unverkennbar.   

Die deutsche Regierung hat mit dem Verfahren zum Lastenausgleich seit 1949 die Folgen des Krieges in Bezug auf das Vermögen soweit wie möglich geregelt. Ein zweiter Lastenausgleich wegen der Folgen der Wiedervereinigung – wie von Richard von Weizsäcker vorgeschlagen - war wegen der internationalen Verstrickung deutscher Aktivitäten nicht mehr möglich. 

Die parlamentarische Organisation der Budget-Bewilligung führte zu großem Eifer immer neuer Vorschläge für den sozialen Ausgleich bottom-up von den Parteien veranlasst vorzubringen wobei das Motiv demokratischer Stimmen-Anwerbung unverkennbar ist. Die Budgets waren aber auch durch internationale Bedrohung belastet, für die große Budgetteile bereit zu stellen waren. Nur selten hat die deutsche Regierung  top-down entscheiden können oder wollen für welche Ziele sie welche Mittel bereitstellen will, damit das Budget ausgeglichen ist. Der große Umfang gesetzlich entschiedener Ausgaben macht Umschichtung auf neue Ziele sehr schwierig. Das hindert sich profilierende Politiker nicht, sich ab und zu mit schwer erfüllbaren Forderungen ins Gespräch zu bringen.  

Der Ausbau der Infrastruktur bei der deutschen Bahn, den Autobahnen, dem Nachrichtennetz, dem Luftverkehr wurde vom Bund aus dem Budget finanziert. Daneben hat der Bund nicht nur die Infrastruktur, sondern auch den Ausbau von wichtigen Unternehmen betrieben - siehe z.B. VW, KfW, Lufthansa durch direkte Investition.  

Kriegsfolgen, Wiedervereinigung, Sorge für Arbeitslosigkeit und Anpassung an internationale Erfordernisse ließen die Budgets immer weiter anschwellen. So kam es selten zu einem ausgeglichenen Budget und 2014 zu einem Stand von 2,050 Billionen EURO öffentlicher Schulden.

Dem Schuldenberg steht aber auch ein großer Zuwachs beim öffentlichen Vermögen gegenüber, Vermögen wie Bahn, Autobahnen, Lufthansa und Fernmeldeeinrichtungen, eines sehr produktiven Vermögens, das fortwährend messbare Leistungen zur Erstellung des Sozialproduktes abgibt.

Betrachtet man das aktiv arbeitende Gesamtvermögen des Bundes (Autobahnen, Deutsche Bahn, Anteile an Industrie, Telekom, Lufthansa, Immobilien etc.) so erkennt man eine Lücke zwischen Vermögen und Schuld, denn dieses Vermögen des Bundes wird wegen der kameralistischen Buchführung eines Staates zum Buchwert null geführt. Aber diese Vermögensteile nehmen weiter am Prozess der Schöpfung des Sozialproduktes teil. Der Unternehmer Staat rechnet sich arm und lamentiert   über seine Schulden, denn den Schulden steht ein beträchtlicher Teil an Vermögen gegenüber.  

Es ist unverkennbar, dass die besonders kritischen Mitglieder des Willensbildungs-Systems wie Gewerkschaften, Sozial-Parteien diesen Umstand überhaupt nicht richtig würdigen, denn der Staat beschränkt sich selbst.  Die Umschichtungsgebote von Ausgabenblöcken  wie die den gebotenen Zielen Hauptgewichte Bildung und Familien zeigen immer noch gravierenden Mehrbedarf an Budget-Gestaltung und bleiben immer wieder im Rückstand. Der Grundbedarf in Schulen und Universitäten wird zwar anerkannt, aber wegen konkurrierender Budget-Teile vor sich her geschoben und zurück gestellt.  Die Zukunft Deutschlands hängt aber entscheidend davon ab, dass die Jugend angemessene Entwicklungsmöglichkeit findet. Das sichert die Zukunft Deutschlands – die Gewichte sind in Deutschland neu zu ordnen.

Es muss also ein Weg gefunden werden, dass der Staat durch Verkauf von Anteilen am Vermögen - Aktien oder Fond-Anteile - die Lücke zwischen Schulden und Vermögen schließt. Da der Staat Einfluss auf sein Vermögen erhalten will - aus welchen berechtigten hier nicht zu diskutierenden Gründen auch immer - kann der Staat statt des Verkaufs von Aktien, diese Aktien in einem Fond führen, für den der Staat Fond-Anteile verkauft. Somit gewinnt der Staat die Investitionsmittel zurück und harmonisiert den Aufwand deckend mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Leistungen.   

Der Staat sollte die produktiven Leistungen aus dem gesamten Bundesvermögen nicht frei erhältlich machen, sondern verkaufen (also nicht nur Leistungen der Bahn, der Telekom, des Luftverkehrs, sondern auch die Leistungen der Autobahnen, alles unter dem Grundsatz „Nichts ist frei erhältlich“. Sonst besteht die Gefahr gigantischer Fehllenkungen von Vermögen. Mit der Maut für den Schwerverkehr auf den Autobahnen hat der Staat einen guten Anfang in dieser Richtung gemacht. Siehe hierzu Denkschriften und Einzelheiten in http://www.stratacom.info

Es kann nicht vernünftig sein,  rein   kameralistisch denkend das nutzbare Bundesvermögen, das fortwährend messbare Leistungen für das Sozialprodukt abgibt, sofort mit Buchwert NULL zu führen, obwohl es kontinuierlich zur Wertschöpfung beiträgt – siehe z.B. Autobahnen.

Solche moderne Sicht auf das Bundesvermögen machte aber erforderlich, dass diese Einheiten des Bundesvermögens wirklich wie Unternehmen gelenkt werden. Daran darf man – schaut man auf die Deutsche Bahn – Zweifel hegen, denn die Bahn wird immer noch wie ein Staatsbetrieb verwaltet, was wegen seiner Mischung von gut gemeinten Unternehmertum und Kameralistik verhängnisvoll zu vielen Problemen führte.  

Die kritischen Einheiten der politischen Willensbildung – wie Parteien, Gewerkschaften, Verbände – müssten schon versuchen, durch vernünftige Bewirtschaftung des Bundesvermögens Freiheitsgrade in der Gestaltung des Bundesbudgets zu gewinnen. Gerade das behindert der teilweise chaotische Ablauf der Parteipolitik wenn man den Widerstreit bei der Budget-Umwidmung für eine bessere Familien- und Bildungspolitik wertet. Es ist ganz klar: Die Mühe für die aufzulegenden Fonds lohnt sich eher und besser als das mühsame Umwidmen fest gefahrener Budgetteile. Die verhängnisvollen Folgen von ehedem schwacher  Politik für Bevölkerung, Jugend und Bildung berechtigen zur Grundsatzfrage: QUO VADIS GERMANIA?    

 

Kassandra und Demographischer Wandel

Kassandra ist eine trojanische Prinzessin deren Hellsehergabe durch einen Fluch des Apollo, ihren Voraussagen nicht zu glauben, verloren ging. Kassandra war von Apollo dazu verdammt, dass ihren Vorhersagen niemand glaubt und sie dem Eintreten der Ereignisse hilflos zusehen muss. Als Kassandra-Rufe bezeichnen wir Situationen, in denen warnende Prophezeiungen oder Alarme öffentlich vorgetragen aber ignoriert werden.  

Seit uns die Dichtung durch Homer und Aischylos Kassandras Unheil überlieferte, ist es ein Zeichen von Einfältigkeit und mangelnder Voraussicht qualifizierte Warnungen von drohenden Entwicklungen zu ignorieren. Aber es ist anders herum gesehen auch ein Zeichen von Intelligenz, wenn man sich mit den Anzeichen von drohenden Gefahren trotz aller Ungläubigkeit doch auseinander setzte. Für beide Versionen der Beachtung von Kassandra-Rufen weiß die Geschichte vom Altertum bis zur Neuzeit reichlich Beispiele.  

Solche Intelligenz war geboten als Thilo Sarrazin sein Memorandum Deutschland schafft sich ab  veröffentlichte. Hier war nicht nur die Intelligenz des einzelnen Lesers gefordert, sondern auch die Intelligenz des Sozialsystems Deutschland. Der Begriff Sozialsystem ist hier eher als ein autonom denkendes und interagierendes System im Sinne von Niklas Luhmann zu verstehen.  

Der Vortrag Sarrazins stieß heftig auf semantische Allergien denn er berührte Themen der Vererbungslehre, erinnerte peinlich an Rassenselektion und betrachtete skeptisch die Proliferations-Raten und Aufstiegschancen von Migranten-Generationen bei mangelndem Fortbildungswillen aber mit offener Hand für Zahlungen aus der Umverteilung.  

Die Medien - ausgenommen aber zum Beispiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung durch den unvergessenen Frank Schirrmacher - herausragende Journalisten Deutschlands und zwei Verfassungsorgane verdammten die Ideen und Warnungen Sarrazins über drohende Entwicklungen. Aber das Volk verglich eigene Beobachtungen mit dem warnenden Kassandra-Ruf von Sarrazin. Als Folge stieg die Resonanz im Volk über den ganzen Algorithmus im Vortrag von Sarrazin stark an und ließ dann etwas spät einen wesentlichen Teil der Medien als Multiplikator der Einsichten von Sarrazin gewinnen.  

Die somit neu gewonnenen Erkenntnisse hießen intensiver auf die Warnrufe Sarrazins hören. Trotz aller Empfindlichkeiten sollte ein Lernprozess zum notwendigen Wandel beginnen, um erkennen zu können, welcher Kassandra-Ruf berechtigt erscheint und wie man mit erkannten Problemen fertig werden kann. Probleme so hoher Komplexität lassen sich nicht mit einfachen Talkshows, Parlaments-Debatten, Integrations-Geboten, politischen Aufrufen, Zeitungsartikel oder hunderten von Dissertationen aufarbeiten. Der hohe Grad der Komplexität verlangt,

dass ein Lernprozess von den führenden Multiplikatoren in das Volk breit ausstrahlend in Gang gesetzt wird, der Schritt für Schritt im gesamten Volk Notwendigkeiten einführt. Die Lernfähigkeit eines Sozialsystems wird zu ihrem wichtigen Erfolgsfaktor. Die Geburtenraten in der Stamm-Bevölkerung sind zu niedrig. Ein Drittel der Lehrstellen bleiben bisher unbesetzt. Die vor Jahren im besten Willen geschaffene Zukunfts-Kommission zeitigt Beschlüsse - aber wo ist die Wirkung?

 Die neue Situation Europas erfordert den Gesellschaftsvertrag Deutschlands – ja, richtig, den Gesellschaftsvertrag im Sinne von Jean Jacques Rousseau - insofern wieder neu zu verstehen und zu entwickeln. Dabei ist zu bedenken, dass sich die Entwicklungs-Tendenzen von Volks-Körpern nicht am Generations-Rhythmus von 30 Jahren hält sondern mehrfach über mehrere hundert Jahre hinaus.

Die Europäische Union war in ihrer Willensbildung nicht in der Lage wenigstens in Nah-Ost - dem Vorgarten Europas -  Frieden durch einen besonderen Einsatz  zu stiften, geschweige denn zu erkämpfen. Die Lehren der Geschichte in diesem Raum zeigen, dass ein starker Staat keine Unordnung in seinem Vorgarten dulden darf. Das muss die Europäische Union erst noch lernen.

Die Flucht von großen Bevölkerungsteilen aus Nah-Ost in das Gebiet der Europäischen Union - und besonders Deutschlands - ist die aktuelle Herausforderung einen differenzierten Denk- und Gestaltungsprozess auszulösen. Offenbar wird auch solch Bevölkerungszuwachs in Deutschland begrüßt, kann aber niemals schwächelnde deutsche Geburtenraten kompensieren. Hier versagt deutsche Konzeption vollkommen. Bevölkerungszuwanderung ist nur Behelf. Die Alters-Pyramide verweist auf gravierende Zeichen eines alternden Volkes.

Die Mackenroth-These zeigt die Brems-Faktoren der Entwicklung Deutschlands, seine florierende Wirtschaft darf nicht beruhigen. Der Bund muss handeln, Integration wird gefordert und geplant. Indessen zeigen Erfahrungen aus der Geschichte wie die Natur des Menschen in fortwährenden Konflikten mit Fremdem Integration erschwert. Die stagnierenden Geburten-Raten in Deutschland selbst führen zu einem alternden deutschen Volkskörper. Das ist eine große Gefahr für sein Bestehen.

Wenn es aber darüber hinaus um Verschmelzung der Zuwanderung ginge, dann muss man zum Beispiel auf Hugenotten und Sorben verweisen, das dauerte Hunderte von Jahren. Für die Verschmelzung von islamischen und christlichen Volkskörpern gibt es wenige Erfahrungen.

Das Beispiel Malaysia lässt vermuten, dass zunächst allenfalls Parallel-Gesellschaften entstehen. Einen Staat oder Staatsverband mit so verschiedenen Volkskörpern wie in Europa in dem die zentrale Lenkung nicht auf Macht sondern auf gutwilligen Konsens beruht wie in der Europäischen Union, hat es so noch nicht gegeben. Die Entwicklung der richtigen Lenkung ist ein Lern-Problem – auch für überstaatliche Organisationen -  und das fordert Geduld und Zeit.

Hier offenbart sich eine Lücke zwischen ambitiöser, politischer Darstellung und sich tatsächlich offenbarenden Fakten aus der Verschiedenartigkeit der europäischen Völker. Die derzeitige Maxime jedes Volk habe sich dem Wettbewerb zu stellen als ob alle Voraussetzungen  gleich wären, wird und muss mit WENIGSTENS einer Fiskalunion überwunden werden. Hier erkämpft die Europäische Union mühsam ein wirksames Konzept. Kritiker mögen bedenken: Das heutige Deutschland ist auch nur in einem langen Prozess entstanden.

Aus den vielen Herausforderungen Deutschlands wie Klimawandel, Budget-Gestaltung, Führung der wirtschaftenden Staatsunternehmen und der stagnierenden Bevölkerungsentwicklung sollte das intelligente Sozialsystem Deutschland eine Antwort auf die Frage finden:

QUO VADIS GERMANIA.