Vom solidarischen Skibein

und andere Merkwürdigkeiten in einer Reform

 Ulla Schmidt ermahnte die Bundestags-Abgeordneten zum Fleiß die 540 Seiten des Monster-Gesetzes schneller zu studieren. Der Normal-Leser braucht zum Lesen einer Schreibmaschinen-Seite ca. drei Minuten, aber wenn es sich um komplexe Inhalte handelt, dann brauchte der Leser oft 20 Minuten und mehr. Um den Gesetzentwurf wirklich im vollen Umfang zu verstehen und darüber verständnisvoll verantwortlich entscheiden zu können, brauchte der fleißige Abgeordnete 540 mal 20 Minuten, das wären dann 10800 Minuten, das sind 180 Stunden und wenn man dem Abgeordneten acht Stunden pro Tag heißen Bemühens unterstellt, dann wären das 22. Arbeitstage. Ulla Schmidt forderte aber drei Tage bis maximal eine Woche. Diese Forderung trotz Komplexität des Stoffes und damit die offenen Fragen führen zu einer uferlosen Diskussion in den Medien und im Parlament.

 Kein vernünftiges Wirtschaftsunternehmen begibt ein reformierendes Rundschreiben von 540 Seiten. Die Abteilungsleiter und Mitarbeiter würden die Unternehmensleitung in der Friktion zwischen Vorhaben und Ausführung einfach scheitern lassen. Aber die Deutschland AG glaubt gegen alle Kommunikationsgesetze spielen zu können. Sozialsysteme (siehe Niklas Luhmann) lernen auf besondere Weise und das langsam. Das wird nun auch Ulla Schmidt lernen.

 Weil das so ist, würden kluge, aufgeklärte Unternehmer in ihrem Unternehmen erst einmal über die Leitsätze, über die Maximen Konsens erarbeiten und dann erst Ausführungsbestimmungen in einzelnen Rundschreiben erlassen.

 Eine der Maximen, die Ulla Schmidt leiten, ist wohl bekannt. Herr SPD-Vorsitzender Beck hat ihn bereits festgelegt, ohne das dazu Berufene dagegen opponierten: Es gibt keine Leistungskürzungen.

 Als dann schüchtern eine anderen Betrachtungsweise - z.B. Ausschluss der privaten Unfälle – zur Sprache gebracht wurde, meinte Ulla Schmidt in einer Art Spenderlaune am 3.August 2006 im Deutschlandfunk wörtlich: Das bringt nicht viel! Aber, das bringt genau 10 Mrd. Euro, so viel machen die privaten Unfälle aus. Und Angela Merkel braucht diese 10 Mrd. um Beitragserhöhungen – z.B. wegen der Kinder – zu vermeiden.

 Wenn also Otto Normalverbraucher auf einem Skihang mit einer Tageskarte für 20,--Euro stürzt, kann er sich auf Ulla Schmidt verlassen, sein Skibein ist ein Fall von Solidarität, das Deutsche Volk steht für sein Pech ein. Eine Unfallversicherung kann er sich sparen. Sein - gleichsam - solidarisches Skibein wird vom Sozialsystem der Beck/Schmidt versorgt werden.

 Das gleiche gilt für den Autounfall des Karlchen Miesnick, eine Insassen-Unfallversicherung ist nicht vorgeschrieben. Beck/Schmidts System zahlt bei Eigenverschulden. Das wäre also gleichsam der solidarische Autounfall.

 Nun kommt das solidarische Raucherbein. Natürlich könnte der Staat aus den Einnahmen der Tabak(Gift)steuer an Ulla Schmidts Solidar-System etwas zahlen. Vielleicht gibt es auch sogar bei Lloyds in London eine Versicherung für Raucher. Aber ist das nicht Hirn-rissig die Solidar-Gemeinschaft dafür zahlen zu lassen?

 Schon nahen neue Bedenken, denken wir an den solidarischen Fettwanst, die behaupten nämlich alle wirklich krank zu sein. Vielleicht findet das Parlament hier einen Weg, zum Beispiel im Wege der Vorsorgen-Auflage.

 Aber der sonst mittellose Rentner, der von der Leiter fällt oder der dem Nachbarn nicht nachweisen kann, dass der Nachbar nicht ausreichend bei Eis und Schnee gestreut hat, dem sollte die Gemeinschaft aus solidarischer Überzeugung bei einem Unfall helfen.

 Minister werden - leider zu spät – lernen, dass ein Volk komplexe Zusammenhänge nur langsam lernt und nie mit dem Prügel eines 540 Seiten Monster-Gesetzes. Das Deutsche Volk hat sich in kritischen Situationen meist als stark erwiesen. Es wird diesen ganzen Unsinn - zum Mindesten das solidarische Skibein - auch mit Hilfe der Medien hinweg fegen.